
Schatten auf dem Mond
Ausstellung von Konstantin Kalynovych
August 2026 - Januar 2027
3 Königinnen Palais (Mirow), ROBINSON Fleesensee, Deutschland
Die Geschichte der europäischen Druckgrafik reicht mehr als sechs Jahrhunderte zurück. Bereits um 1400 wurden in Europa Bilder von Holzstöcken auf Papier gedruckt. Später entwickelten sich verschiedene Verfahren zur Arbeit mit metallenen Druckplatten, darunter die Radierung. In dieser Technik arbeiteten so berühmte Künstler wie Albrecht Dürer, Rembrandt, Francisco de Goya, Pablo Picasso, Marc Chagall und Salvador Dalí.
Die Arbeiten von Konstantin Kalynovych beginnen auf einer Kupferplatte. Der Künstler gestaltet darauf das Bild, kombiniert Radierung, Kaltnadel und Mezzotinto und druckt anschließend selbst die Abzüge auf Papier. Jede Technik ermöglicht besondere Linien, Schatten und Lichtabstufungen.
Radierung: Zeichnen und Ätzen
Die Radierung entstand als druckgrafisches Verfahren Ende des 15. Jahrhunderts. Zu ihren Pionieren gehörte der deutsche Künstler Daniel Hopfer, der das Ätzen von Metall aus der Verzierung von Rüstungen auf die Herstellung gedruckter Bilder übertrug.
Zunächst überzieht der Künstler die Kupferplatte – die eigentliche Druckform – mit einer dünnen Schutzschicht aus säurebeständigem Ätzgrund. Mit einer Radiernadel zeichnet er das Motiv hinein. Dabei entfernt die Nadel den Ätzgrund entlang der Linien und legt das Metall frei.
Anschließend wird die Platte in ein Säurebad getaucht. Die Säure greift die freigelegten Stellen an und vertieft die gezeichneten Linien. Dieser Vorgang heißt Ätzen. Die vom Ätzgrund geschützte Oberfläche bleibt dabei unverändert.
Radiernadeln und weitere Werkzeuge zur Bearbeitung der Druckplatte
Der Künstler kann die Platte mehrfach überarbeiten: neue Striche mit der Nadel in die Schutzschicht zeichnen, Bildpartien, mit denen er unzufrieden ist, im Metall glätten und die Platte erneut zum Ätzen vorbereiten. Ein detailreiches Bild verlangt Präzision und Geduld: Feinste Einzelheiten arbeitet Kalynovych häufig unter der Lupe aus.
Kaltnadel: direkte Arbeit im Kupfer
Die Kaltnadeltechnik ist seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekannt. Zu ihren frühen Vertretern gehörte ein deutscher Künstler, der als Meister des Hausbuchs in die Kunstgeschichte einging.
Bei der Kaltnadeltechnik ritzt der Künstler das Motiv unmittelbar in die Kupferplatte. Für diese Linien ist kein Säurebad erforderlich.
Arbeit mit einer Nadel auf einer Kupferplatte
An den Rändern der eingeritzten Linien entstehen feine Metallgrate. Sie halten Druckfarbe fest und verleihen den gedruckten Strichen einen weichen, samtigen Charakter.
Kaltnadel kann die Radierung ergänzen: Nach dem Ätzen fügt der Künstler weitere Striche hinzu, verstärkt Schatten und präzisiert Details. So verbinden sich in einem Bild klare geätzte Linien mit weicheren Kaltnadellinien.
Mezzotinto: ein Bild aus Licht und Schatten
Mezzotinto entstand im 17. Jahrhundert. Die Erfindung wird Ludwig von Siegen zugeschrieben, der 1642 einen der ersten bekannten Abzüge in dieser Technik schuf: ein Porträt von Amalie Elisabeth, Landgräfin von Hessen.
Mezzotinto, auch Schabkunst oder Schwarzkunst genannt, ermöglicht tiefe Schatten und fließende Übergänge zwischen Dunkel und Hell. Der Name „Schabkunst“ verweist auf das Bearbeiten der Druckplatte mit einem Schaber.
Bei der traditionellen Arbeitsweise wird die Oberfläche der Kupferplatte zunächst mit einem gezahnten Werkzeug, dem sogenannten Wiegemesser, gleichmäßig aufgeraut. Diese Oberfläche hält viel Farbe fest und ergibt beim Drucken einen satten, dunklen Ton.
Anschließend glättet und schabt der Künstler ausgewählte Bereiche. Je glatter die Oberfläche wird, desto weniger Farbe hält sie fest und desto heller erscheint diese Stelle im Abzug.
Das Bild entsteht dadurch gewissermaßen aus der Dunkelheit. Mezzotinto kann eigenständig eingesetzt oder auf derselben Platte mit anderen Techniken kombiniert werden.
Wie wird gedruckt?
Die fertige Druckplatte ist nur eine Etappe im aufwendigen Entstehungsprozess eines druckgrafischen Werkes. Die Beherrschung des Druckens ist ebenso wichtig wie die Arbeit am Bild auf der Platte. Künstler können selbst drucken oder mit einem professionellen Drucker zusammenarbeiten – einer speziell ausgebildeten Fachkraft. Diese Arbeitsteilung hat eine lange Tradition. Kalynovych gestaltet die Druckplatte und druckt die Abzüge selbst.
Der Künstler trägt Farbe auf die Platte auf und arbeitet sie in die vertieften Linien und aufgerauten Bereiche ein. Danach wischt er die überschüssige Farbe vorsichtig von der Oberfläche ab. Das Einfärben und Auswischen beeinflusst den Ton, die Tiefe der Schatten und die gesamte Wirkung des Bildes.
Drucken an einer Kupferdruckpresse
Auf die vorbereitete Platte wird angefeuchtetes Papier gelegt. Gemeinsam werden Platte und Papier durch eine Radierpresse geführt. Unter hohem Druck nimmt das Papier die Farbe aus den Vertiefungen auf. So entsteht ein Abzug – das spiegelverkehrte Bild der Zeichnung auf der Platte.
Für jeden weiteren Abzug muss die Platte erneut eingefärbt und ausgewischt werden. Manche Arbeiten koloriert Kalynovych anschließend zusätzlich mit Aquarellfarben.
Warum ist jeder Abzug ein Original?
Von einer vom Künstler gestalteten Druckplatte können mehrere Abzüge gedruckt werden. Zusammen bilden sie eine Auflage.
Auch wenn sich das Motiv wiederholt, ist jedes Blatt ein Original der Druckgrafik. Es entsteht unmittelbar von der bearbeiteten Druckplatte und ist keine fotografische Reproduktion eines fertigen Gemäldes oder einer Zeichnung.
Ein Originalabzug muss deshalb kein Einzelstück sein. Die Auflage gehört zum Wesen der Druckgrafik, und jeder Abzug innerhalb einer Auflage ist ein einzigartiges, unverwechselbares Ergebnis der sorgfältigen Arbeit des Künstlers. Beim Drucken von Hand können kleine Unterschiede zwischen den Blättern entstehen – etwa in der Farbdichte, den Tonwerten oder der Art, wie die Platte ausgewischt wurde.
🎁 Originale Druckgrafik kann ein besonderes Geschenk für Menschen sein, die Kunst lieben und handwerkliche Arbeit schätzen.


